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Elektronische Kontrolle: Auf dem Weg zur Zweiklassengesellschaft

Gepostet am 27. November 2014 von Ioannis Dimas in „Know-How“ Kommentare 0

Ioannis Dimas
Gläserner Versicherter dank App für Ernährungs- und Fittnessdaten

Vor ein paar Tagen ging die Meldung durch den Presse­wald, dass eine der großen Versicherungs­gruppen in Europa Daten seiner Versicher­ten sammeln will über deren Fitness, Ernährung und Lebensstil. Die Kunden sollen als Belohnung für Ihren gesunden Lebenswandel Geschenke, Gutscheine und Rabatte auf ihre Krankenversicherung erhalten.

Am 21. November 2014 hat die Süddeutsche Zeitung über das neue Modell berichtet.

Feine Sache auf den ersten Blick — Belohnung und Boni, wenn ich meinen inneren Schweinehund überwinde, Sport treibe, auf fettiges Fastfood verzichte und meiner Versicherung über meinen soliden Lebenswandel Nachweise erbringe. Ganz einfach: Alle Daten zur Lebensgestaltung sollen regelmäßig per App an den Versicherer übermittelt werden.

Wo bleibt der Datenschutz?

Auf den Zweiten Blick tun sich jedoch Abgründe auf — Daten über meine Essgewohnheiten, Freizeitaktivitäten, Lebenswandel etc.? Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der freundliche Versicherungsmitarbeiter bei Nichtgefallen meines Lebensstils „Sperrvermerke“ macht, weil ich evtl. dummerweise geschrieben habe, dass ich einen Ruhepuls von 50 habe, weil ich als Freeclimber extrem gut trainiert bin. Hoffentlich ist die App wenigstens sicher! Die Übermittlung über eine App birgt die Gefahr, dass die Daten in weitere Kreise gestreut werden, als man möchte (oder als erlaubt ist).

Wenn man sich etwas mit Datenschutz beschäftigt, wird die Intension der Versicherung sehr schnell klar. Risikominimierung und dadurch Gewinnmaximierung. Durch die erfassten Daten können Metadaten erhoben werden, was zu einer Zwei- (oder Drei- oder Vier-) Klassengesellschaft der Versicherten führt.

Prinzip "Versicherung" auf wackligen Beinen

Versicherungen beruhen auf dem Prinzip einer Solidargemeinschaft. Dies bedeutet in diesem Fall, dass ein Versicherter nicht alleine für sich verantwortlich ist, sondern sich die Mitglieder der betreffenden Solidargemeinschaft gegenseitig helfen und unterstützen.

Durch die individuelle Beurteilung der Versicherten wird dieses System demontiert. Die umfassendere Erfassung von Daten und die dadurch ermöglichte höhere Datendichte an Metadaten bewirkt, dass der Einzelne gegenüber seiner Versicherung gläsern wird. Damit steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, in eine wie auch immer geartete Risikokategorie geschoben zu werden, die es in letzter Konsequenz unmöglich macht, eine Versicherung zu finden, die auch tatsächlich eine bezahlbare Versicherung zur Verfügung stellt.

Die Vorstellung der Zweiklassengesellschaft:

  • Versicherte mit sehr niedrigem Risiko, die somit willkommen sind
  • Versicherte mit hohem Risiko, die mit teuren Policen abgeschreckt werden

Beides bringt Gewinn: Die eine Gruppe zahlt — für die anderen werden gar keine Leistungen fällig, da sie nicht gar nicht erst in der Versicherung sind.

Und abschließend eine kleine Anmerkung zum Weiterspinnen des Szenarios:

Was passiert, wenn Versicherungen anfangen, untereinander Daten auszutauschen? Zum Glück haben wir hierfür das Bundesdatenschutzgesetz – hoffentlich bleibt es uns noch lange erhalten.

 

Wenn Sie Fragen rund um das Thema Datenschutz haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Tags dieses Beitrages: Datenschutz, Datenschutzrecht
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