ETES-Weblog

Unsere erste IPv6-Verbindung

Gepostet am 23. Oktober 2008 von Robert Scheck in „ETES-News“ Kommentare 2

Robert Scheck

Bei IPv6 handelt es sich um eine relativ technische Angelegenheit, die ich hiermit versuche, möglichst verständlich für alle darzustellen - insbesondere, da die resultierende Problematik größtenteils (selbst in der IT-Welt) ignoriert, gescheut oder gar lediglich belächelt wird.

Die Kommunikation im Internet läuft über sogenannte IP-Adressen. Wenn Sie also „www.etes.de“ in Ihrem Webbrowser eingeben, so kommunizieren die Rechner und Server untereinander mit der IP-Adresse „91.196.144.19“ anstatt „www.etes.de“. Dieses IP-Schema heißt IPv4 wurde im Jahr 1983 begonnen und erlaubt maximal 4 294 967 296 IP-Adressen. Damals war das kein Problem, nur Universitäten und wenige große Firmen hatten einen Zugang zum Internet; es gab folglich nur wenige Großrechner, die miteinander vernetzt werden konnten.

IPv4-Adressen RestlaufanzeigeHeute, im Jahr 2008, haben wir mobile Geräte wie Handys, Organizer und PDAs, mit denen wir überall ins Internet gelangen können. Selbst manche Waschmaschine oder Kaffeemaschine hat bereits einen Netzwerkanschluss, Internet gehört inzwischen einfach zum täglichen Leben, viele haben zudem einen Internetanschluss oder nutzen UMTS. All das sind Dinge, die im Normalfall jeweils mindestens eine IP-Adresse benötigen.

Wenn Sie nun den Screenshot auf der linken Seite anschauen (Quelle: Intec NetCore, Inc.), dann sind sämtliche IP-Adressen in voraussichtlich 794 Tagen an Provider und Internetanbieter vergeben. Sind alle IP-Adressen vergeben und ein Provider hat mehr Kunden, die gleichzeitig ins Internet möchten, als ihm IP-Adressen zugewiesen worden sind, so können einige oder vielleicht gar viele Kunden nicht mehr ins Internet.

Deshalb wurde bereits im Jahr 1999 eine Lösung für dieses Problem entwickelt: IPv6 als Nachfolger von IPv4. Mit IPv6 sind maximal 340 282 366 920 938 463 463 374 607 431 768 211 456 IP-Adressen möglich - ein vielfaches vom derzeit genutzten IPv4-Schema. Zudem wurden mit IPv6 auch technische „Designfehler“ der Vergangenheit ausgebügelt und es wurde allgemein an der Verwendbarkeit im Hinblick auf mobile Systeme gearbeitet.

Jedoch sieht eine IPv6-Adresse wie 2001:0db8:e3e0:afb2:9837:500d:89cd:921d völlig anders als die oben genannte IPv4-Adresse aus. Und dort beginnen die Probleme bereits: Alle Geräte, die jetzt mit Netzwerk zu tun haben, müssen dann IPv6-tauglich sein. In erster Linie betrifft das die Software, die auf den Geräten läuft, also das Betriebssystem, den Webbrowser, den E-Mail-Client, den Netzwerk-Drucker etc. Denn mit einer IPv6-Adresse kann man leider keine IPv4-Adresse erreichen und umgekehrt sowieso nicht.

Wir selbst haben seit vorgestern von unserem Provider eine IPv6-Anbindung (eine native Verbindung folgt in 3-4 Monaten) auf unserer Standleitung aufgeschaltet bekommen und haben darüber ein paar IPv6-taugliche Webseiten aufgerufen. Und aktuell sind wir erst der fünfte Kunde unseres Providers, der IPv6 bereits nutzen möchte. Da IPv6 gänzlich zu scheuen auf Dauer keine Lösung ist, werden wir in den nächsten Monaten versuchen, unser Netzwerk im Büro langsam zusätzlich mit IPv6 zu versehen. Dabei werden wir sicherlich Probleme identifizieren, aber gleichzeitig auch Lösungen dafür suchen, damit Sie als Kunde rechtzeitig von unserer Erfahrung in diesem Bereich profitieren können und eine problemlose und rechtzeitige Migration Ihrer IT-Umgebung möglich ist, wenn IPv6 in vermutlich 2-3 Jahren das jetzige IPv4-Schema ersetzen wird!

Tags dieses Beitrages: IPv4, IPv6, Migration
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Bisherige Kommentare

Kommentar von Teddy |

Auch wir haben inzwischen IPv6 erfolgreich getestet. Zwar hatten wir einige Hürden zu überwinden, Inzwischen haben wir aber bereits gegen 2% des Internetverkehrs (vor allem E-Mail und DNS) auf IPv6.

Kommentar von Robert Scheck |

In der Tat gibt es noch diverse Hürden, so unterstützt aktuell keine für den Unternehmenseinsatz optimierte Linux-Distribution von Haus aus "Stateful Packet Filtering" in iptables für IPv6, was optimales Firewalling sehr erschwert und größere Fortschritte ausbremst. Aktuell betreiben wir einige Nameserver "dualstacked", also parallel mit IPv4 und IPv6. Bei lediglichem Caching DNS sehen wir den IPv6-Traffic bei ca. 10%, bei autoritativem DNS ist der Traffic bislang ähnlich verschwindend gering...

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